Von der ANNIE zur PILGRIM, Teil 1

10. April 2007 Kommentare

Der Kiel

Vor reichlich 12 Jahren erwarb ich von Heinz Graw einen seiner wunderbaren Neufundlandschoner: die ANNIE. Heinz hatte inzwischen vier oder fünf dieser Modell im Maßstab 1:24 gebaut und brauchte Platz für neue Projekte. So wurde meine gute alte, 1985 getaufte SUSANNE aufgelegt und fristet seitdem ein eher trauriges Dasein – nur hin und wieder zu Ausstellungen wird sie nochmal entstaubt.
In den Folgejahren segelte ich die ANNIE auf allen bekannten minisail-Gewässern und hatte viel Spaß damit. Trotzdem keimte in mir immer stärker die Idee, das Erscheinungsbild dieses Modells zu verändern. Hinzu kam, dass sich die lange Kielflosse durch Feuchtigkeit verzogen hatte und das Boot nicht mehr gut geradeaus segelte. Weiterhin hatte inzwischen ein anderer minisail-Lord einen gleichen Schonertyp gebaut und kam ohne Zusatzkiel aus! Nach einem längeren Gespräch und dem Vergleich von einigen Gewichtsangaben packte mich der Ehrgeiz: Das schaffst du auch, und dann geht es ohne die lästige Kielflosse.

Es fügte sich, dass mir in der Zeit der Renovierung mit der VALDIVIA ein neues Modell zur Verfügung stand, und so hatte ich jetzt zwei Eisen im Feuer: eines zum Segeln, eines zum Umbauen.
Die Ziele der Renovierung waren:

  1. Segeleigenschaften verbessern!
  2. Gewicht, besonders im Rigg, einsparen, um mit einem kleineren Zusatzkiel segeln zu können!
  3. Optik verändern.

Die alte Optik war sehr markant und mit vielen Details ausgeschmückt. Aber der Gesamteindruck war trist und dunkel – eben so, wie man sich ein altgedientes Arbeitsschiff vorstellen kann.
Begonnen wurde die Sanierung mit einer neuen Kielschiene, die bei gleichem Gewicht statt einem Zusatztiefgang von 33 cm nur etwa 12 cm brachte. Bei der Starkwinderprobung in Stadskanaal NL ergab sich, dass das Schiff deutlich stärker krängte, aber mit verkleinerter Segelfläche war es gut für ‘Holländische Verhältnisse’ tauglich. Da der Langkiel aber die Manövrierfähigkeit stark behinderte, musst ich eine andere Lösung finden. Ich schaute mir den alten Kiel nochmal an und stellte fest, dass die Bleibombe alleine mit wenig Aufwand geändert und wieder verwendet werden konnte. Die Flosse wurde entfernt und das Führungsrohr bei einer Länge von 13 cm abgesägt. Dann wurde die Edelstahlschiene ausgerichtet und sauber angeschweißt. Die Grundform für den neuen Kiel war fertig. Der Übergang zwischen Bleibombe und Schiene wurde in einer besonderen Form aus Gießharz hergestellt. Dabei wurde gleichzeitig die Symetrie des Ballastes überarbeitet. Nach einigen Stunden Schleifarbeit war ich mit dem Ergebnis zufrieden.
Der Zusatzkiel wird, statt wie bisher von oben, jetzt von unten angeschraubt. So ist auf Deck keine Verschraubung mehr sichtbar. Außerdem ist das Teil an der Unterseite so geformt, dass das Boot ohne Abstützung frei darauf stehen kann. Auch steht das Modell dann so, dass die Wasserlinie waagerecht ist. Im „gleichen Aufwasch“ wurde auch das Ruder in Plangröße erneuert.

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