ALBATROS – Die Segel

8. September 2010 Kommentare

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Die ALBATROS mit dem ersten Segelsatz.

Ganz entscheidend für gute Segel ist neben dem richtigen Material der Schnitt und die Verarbeitung.
Bei meinem ersten Segelsatz arbeitete ich nach verschiedenen Methoden. Dabei merkte ich sehr schnell, dass die nachfolgend beschriebene Herstellungsart wohl die praktischste ist. Sie kommt auch der Fertigung bei den „richtigen“ Segelmachern am nächsten. So wurde dann der zweite Segelsatz in dieser Art angefertigt.

Es ist immer zu beachten, dass sich das Segeltuch unter Zug mehr oder weniger reckt. Bekanntlich ist dann das Recken am geringsten, wenn in Richtung des Fadenlaufes gezogen wird (siehe auch: Tipps und Tricks). Dies ist beim Zuschneiden der einzelnen Segel zu beachten!

Weiter ist zu beachten, dass eigentlich alle Segel mit einem sog. Bauch gearbeitet werden. Damit ist die Wölbung oder das Profil in der Fläche des Segels gemeint. Dabei sollte man wissen, dass Segel für starken Wind mit flachem Bauch, Leichtwindsegel aber mit viel Bauch geschnitten werden. Da meine ALBATROS eher für wenig Wind tauglich ist, habe ich die Segel mit mehr Bauch ausgelegt.

Meine Vorsegel wurden aus zwei Dreiecken zusammengesetzt. So konnte ich erreichen, dass das Unter- und auch das Achterliek in Fadenlaufrichtung liegen. Der Zug im schräg geschnittenen Vorliek wird durch den eingenähten Liekdraht aufgefangen. Weiter habe ich die Nähte aller Kanten vor dem Nähen mit Doppelklebeband fixiert. Dabei wurde dort, wo zwei Teile vernäht werden sollten (z.B. Diagonalnaht) mit 3mm breitem Band gearbeitet. Am Vorliek wurde 4mm Band verwendet, da der Liekdraht und die Kauschen dort eingearbeitet werden mussten. An Unter- und Achterliek klebte ich mit 2mm Band. Das Kleben hat den großen Vorteil, dass man die Naht bzw. Kante nochmal prüfen kann, ob sich z.B. kleine Falten bilden oder ob der Bauch harmonisch fällt.

Zuerst das Segel in der vorgesehenen Größe auf einer Holzplatte aufzeichnen. Als Lineale dienten mir 10×3 und 12x3mm Kiefernleisten. Diese konnten auch genügend gebogen werden, um die Bäuche zu zeichnen. Die Diagonalnaht wird als Winkelhalbierende von Unter- und Achterliek eingezeichnet. Da das Segel einen Bauch bekommen soll, wird dieser mit ca. 0,5-2% der entsprechenden Kantenlänge aufgezeichnet. Dabei soll die größte Dicke bei 1/3 der Strecke liegen.

Dann für die Dreiecke Papierschablonen mit ca. 2 cm Übermaß zuschneiden.

Wichtig: Die Dreiecksseiten mit der späteren Funktion beschriften! (Achterliek – Diagonalnaht – Fadenlauf usw.) Die Schablonen nach dem Fadenlauf auf dem Segeltuch ausrichten und Tuch ausschneiden – mit Übermaß! Auf dem Rand beschriften!

Nun das erste Teil auf das Brett legen und mit Nadeln an den Rändern mit ganz wenig Spannung und faltenfrei außerhalb der aufgezeichneten Kontur fixieren.

Die Diagonalnaht wird zuerst hergestellt. Das Teil 1 wird mit Bauch, das zweite Stück ohne Bauch gearbeitet. Dazu das Klebeband innerhalb der „Bauchlinie“ auf Teil 1 aufbringen. Dabei das Band nicht ziehen bzw. spannen, sonst wird das Tuch zusammen gezogen! Das Teil vom Brett nehmen und den Rand genau am Klebeband entlang abschneiden.

Teil 2 aufstecken und der geraden Diagonallinie nach sauber beschneiden. Das geht am besten mit einem wirklich scharfen Balsamesser oder einem Textil-Rollmesser. Keine Zacken oder Wellen schneiden. Ich habe mir die Kiefernleiste entlang der Linie auf den Rand des Segelteils „genagelt“, damit es sicher auf dem Brett angepresst war und beim Schneiden nicht rausrutschen konnte. Die Schneidelineale immer auf dem Rand fixieren, sonst bleiben die Einstiche im Segel sichtbar!

Teil 1 wieder aufstecken. Dann die entsprechende Kante von Teil 2 bündig und gleichmäßig auf das Klebeband aufdrücken. Das Rohsegel an den drei Ecken leicht spannen und die Sauberkeit der Klebenaht prüfen. Erst dann über die Mitte des Klebestreifens nähen.

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  1. 9. September 2010, 21:13 | #1

    Hallo Lothar –
    ergänzend zu den Hinweisen oben: Ich habe die Nadel immer mal mit PRIL benetzt (Q-Tip). Der Faden über das PRIL getränkte Wattestäbchen geführt, nimmt immer eine Spur davon mit und verbessert so das Arbeiten. Das würde bestimmt auch gehen, wenn man das Garn über ein Stückchen Seife ziehen würde. Nicht umsonst verarbeiten die Segelmacher immer gewachste Nähgarne. Damit ist bei denen das Problem erledigt.
    Weiter hilft es, wenn man nach jeder Naht (ca. 50 -100 cm) den Kleberückstand von der Nadel entfernt. Das ist zwar mühsam aber hilfreich.
    Dann gibt es natürlich große Unterschiede bei den Klebebändern. Meine stammen direkt von Segelmachern und von der Fa. VOLANGO Drachenbau. Siehe: http://www.VOLANGO.de

    Ich hoffe, dass Du jetzt das Problem überwinden kannst!

    Beste Grüße Gerd

  2. Lothar Ahrens
    9. September 2010, 05:54 | #2

    Hallo Gerd,
    beim Nähen mit doppelseitigem Klebeband verklebt die Nadel und die Naht sieht schlimm aus bzw es muss neu angesetzt werden.Was machst Du gegen das Verkleben der Nadel?
    Gruss Lothar