{"id":2811,"date":"2004-06-10T19:35:17","date_gmt":"2004-06-10T17:35:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.minisail.com\/?p=2811"},"modified":"2017-03-17T22:37:02","modified_gmt":"2017-03-17T21:37:02","slug":"spreizgaffelschoner-atlantis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.minisail.com\/?p=2811","title":{"rendered":"Der Spreizgaffelschoner ATLANTIS"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Bericht aus der RC-Segelpraxis von Ralph Sutthoff<\/strong><br \/>\n<strong>Ein Schoner mit ungew\u00f6hnlichem Rigg<\/strong><br \/>\n\r\n<a href=\"http:\/\/www.minisail.com\/wp-content\/blogs.dir\/4\/files\/atlantis\/atlant1225_600.jpg\" title=\"\" class=\"highslide\" onclick=\"return hs.expand(this, { slideshowGroup: 'singlepic948' })\" >\r\n\t<img decoding=\"async\" class=\"ngg-singlepic\" src=\"http:\/\/www.minisail.com\/wp-content\/blogs.dir\/4\/files\/cache\/948__x_atlant1225_600.jpg\" alt=\"atlant1225_600.jpg\" title=\"atlant1225_600.jpg\" \/>\r\n<\/a>\r\n<br \/>\nZum besseren Verst\u00e4ndnis die <a href=\"http:\/\/www.minisail.com\/?p=176\" target=\"_blank\">Maritimen und Segler-Fachausdr\u00fccke<\/a> beachten!<br \/>\nIm folgenden Bericht geht es um die Segelpraxis mit dem ferngesteuerten Segelschiff ATLANTIS. Es handelt sich um das bekannte Baukastenmodell der <a href=\"http:\/\/www.robbe.de\" target=\"_blank\">Firma Robbe<\/a>.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDie zweimastige ATLANTIS geh\u00f6rt zu den Schonern. Von der \u00e4hnlich getakelten Ketsch unterscheidet sich ein Schoner vornehmlich hinsichtlich der H\u00f6he des zweiten Mastes, weshalb die Segelschwerpunkte bei Ketsch und Schoner unterschiedlich verteilt liegen. Nach meinen Erfahrungen mit mehrmastigen RC-Segelschiffen liegen Schoner ruhiger auf dem Ruder und fallen weniger durch Luvgierigkeit auf als die sog. 1 \u00bd Master. Die ATLANTIS macht da keine Ausnahme. Das liegt aber wohl weniger am unterschiedlichen Rigg, sondern daran, dass Schoner von vorneherein als Mehrmaster konstruiert werden, w\u00e4hrend es sich bei vielen 1 \u00bd Mastern um modifizierte Slups handelt. Deswegen halte ich den Schoner oftmals f\u00fcr die bessere Wahl, wenn es denn \u00fcberhaupt ein Mehrmaster sein darf oder soll. Das Baukastenangebot an Mehrmastern ist recht \u00fcbersichtlich geblieben. Robbe bietet neuerdings einen zweiten Schoner, die VALDIVIA, an und Graupner hat lediglich die kleine Ketsch LIBERA-OCEAN im Angebot. Auf dem Yachtmarkt (Ma\u00dfstab 1:1) haben Mehrmaster &#8211; aller Art &#8211; in den letzten Jahrzehnten an Boden verloren. Die Fachliteratur verweist auf aerodynamische Nachteile des aufw\u00e4ndigeren Riggs und die gegenseitige aerodynamische Behinderung der Segel. W\u00e4hrend man dem Gro\u00dfsegel einer Slup (Bermudarigg) bescheinigt, den Vortrieb des Vorsegels aerodynamisch vorteilhaft zu beeinflussen, soll das f\u00fcr weiter achtern liegende Segel beim H\u00f6helaufen nicht mehr gelten. Wie auch immer, Mehrmaster sind in der Welt der Gro\u00dfen zu Zeugen einer untergegangenen Segelepoche geworden, w\u00e4hrend immer gr\u00f6\u00dfere Slups auf dem Vormarsch sind. Unter Minisailern gilt dieser Trend aber weniger. Tats\u00e4chlich segeln die meisten Mehrmaster, wobei es sich meist um Selbstbauten oder Bauplanmodelle handelt, nicht \u00fcbel. Unter den Mehrmastern ist die ATLANTIS aus dem Hause Robbe regelm\u00e4\u00dfig der h\u00e4ufigste Vertreter, weshalb sie einer eingehenderen Betrachtung wert ist.<br \/>\n<!--nextpage--><br \/>\nDas elliptische Unterwasserschiff der ATLANTIS folgt klassischer Linienf\u00fchrung, wie sie bei Segelyachten bis zum zweiten Weltkrieg modern waren. Ihre typischen Merkmale sind der Langkiel, der flache Vorsteven, die langen \u00dcberh\u00e4nge und das schmale Spiegelheck. Das Konzept des schnellen Verdr\u00e4ngerrumpfes ist unter Modellbauern so beliebt, dass die ATLANTIS gerne auch als Basis f\u00fcr allerlei Umbauten, vornehmlich an der Takelage benutzt wird. Das Deckslayout  der ATLANTIS wurde seinerzeit von Gerd Neumann nach diversen Vorbildern gestaltet. So geht der Steuerstand auf die COLOMBA, eine 30 m Ketsch aus dem Jahr 1902 zur\u00fcck. Das Deckshaus wiederum wurde der ALBATROS nachempfunden. Sie war ein Geschenk des russischen Zaren an den K\u00f6nig Wilhelm II von W\u00fcrttemberg im Jahr 1905. Die Holzlandschaft auf der ATLANTIS ist jedenfalls nett anzuschauen und schr\u00e4nkt die Gebrauchstauglichkeit beim Segeln nicht nennenswert ein.<\/p>\n<p>Das ungew\u00f6hnliche Rigg der ATLANTIS findet seinen technischen Ursprung bei der Spreizgaffelketsch &#8222;Vamarie&#8220; aus der Mitte der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Nach diesem Schiff hat man die Spreizgaffeltakelung sp\u00e4ter auch oft allgemein benannt. Damals war ein Spreizgaffelsegel, worunter die Windsurfingpioniere in den 60er Jahren das Kardangelenk zum Windsurfen setzten, segeltechnisch der letzte Schrei und unter Seglern lebhaft umstritten. Konservative Segler be\u00e4ugten es mit Zur\u00fcckhaltung und Misstrauen. Dabei schienen die Vorteile der Spreizgaffel auf der Hand zu liegen. Der Energiespender Wind kann da ansetzen, wo er am kr\u00e4ftigsten weht, n\u00e4mlich weit oben \u00fcber dem Wasserspiegel. Das Achterliek kann nicht mehr auswehen, das Segelprofil l\u00e4\u00dft sich gut trimmen und vor dem Wind baumt sie sich selber aus. Dem Rigg sagte man nach, besonders gut H\u00f6he laufen zu k\u00f6nnen. Weite Verbreitung fand die Konstruktion jedoch nicht. Die Zeitschrift &#8222;Yacht&#8220; fand in einem k\u00fcrzlich herausgebrachten Sonderheftchen \u00fcber die besten 100 Yachten des letzten Jahrhunderts nur das Spreizgaffelrigg des Surfbretts einer Erw\u00e4hnung wert. Vom Surfbrettrigg (und einigen hypermodernen Segelyacht Prototypen!) abgesehen, ist die Spreizgaffel heute ausgestorben. Kritiker bem\u00e4ngelten u.a. den Hang zur Luvgierigkeit sowie die mangelnde Handlichkeit der Spreizgaffel beim Bergen, sollte auffrischender Wind das erforderlich machen.<\/p>\n<p>Die Firma Robbe lie\u00df sich von dieser Kritik nicht beeindrucken und legte in den 80er Jahren die ATLANTIS mit Spreizgaffeltakelung auf die Modellbauwerft. Der gro\u00dfe Schoner setzte damals Ma\u00dfst\u00e4be in bezug auf L\u00e4nge, Gewicht und Besegelung. Rekordverd\u00e4chtige 17,5 Kilo verteilen sich auf eine L\u00e4nge von immerhin 1,38m L\u00e4nge. Die zwei Masten der ATLANTIS tragen vier Segel mit der Bezeichnung: Baumfock, Schonersegel, Stagsegel und Gro\u00dfsegel. Au\u00dfer der Baumfock k\u00f6nnen alle anderen Segel f\u00fcr Sturmfahrten leicht geborgen werden. W\u00e4hrend der Gro\u00dfmast eine 7\/8 Takelung aufweist, hat man es vorne mit Baumfock und dem ungew\u00f6hnlichen Spreizgaffelsegel zu tun. Die Spreizgaffel wird \u00fcbrigens nicht wie bei Gaffeln (und Surfbrettriggs) \u00fcblich am Mast, sondern an einer Verst\u00e4rkung des Vorlieks des Schonersegels aufgeh\u00e4ngt. Statt der einfachen Baumfock bietet die Firma Robbe optional eine Genua samt aufw\u00e4ndiger Steuerung zum Austausch an. Nach meinem Wissen war das damals eine Pionierleistung f\u00fcr Bauk\u00e4sten ferngesteuerter Segelschiffe.<br \/>\n<!--nextpage--><br \/>\n<strong>Ein Allesk\u00f6nner<\/strong><br \/>\n\r\n<a href=\"http:\/\/www.minisail.com\/wp-content\/blogs.dir\/4\/files\/atlantis\/atlant1226_300.jpg\" title=\"\" class=\"highslide\" onclick=\"return hs.expand(this, { slideshowGroup: 'singlepic1370' })\" >\r\n\t<img decoding=\"async\" class=\"ngg-singlepic\" src=\"http:\/\/www.minisail.com\/wp-content\/blogs.dir\/4\/files\/cache\/1370__x_atlant1226_300.jpg\" alt=\"atlant1226_300\" title=\"atlant1226_300\" \/>\r\n<\/a>\r\n<br \/>\nDie ATLANTIS besticht durch ihre Vielseitigkeit. Als Dekoration im maritim eingerichteten Wohnzimmer ist die ATLANTIS als Fahrmodell auf Dauer dankbarer als ein Standmodell. Denn den sich ansammelnden Staub kann man einfach mit Wasser absp\u00fclen. Aber vor allem taugt die ATLANTIS so richtig zum Segeln und zur Teilnahme an Segelveranstaltungen aller Art. In den Augen &#8222;richtiger&#8220; Bauplanmodellbauer findet sie noch einen Rest von Gnade. Und, aller modernen Segeltheorie zum Trotz, l\u00e4uft sie auf dem Wasser mancher modern(er) gestylten Slup auf und davon. Der praktische Einsatzbereich der ATLANTIS ist nahezu konkurrenzlos gro\u00df.<\/p>\n<p>Einschr\u00e4nkungen ergeben sich ja allgemein durch die Gew\u00e4sserbedingungen  sowie durch Flaute, Sturm, Wellengang, Konzeption und Gr\u00f6\u00dfe eines Schiffes. Mit einer ATLANTIS kann man jedoch fast immer und \u00fcberall segeln. Bei Flaute reicht ihr bereits ein leises L\u00fcftchen um Fahrt aufzunehmen. H\u00f6he l\u00e4uft sie problemlos. Und wenn der Wind b\u00f6ig auffrischt und erste Gischtkronen Modellschiffen das Leben schwer machen, beweist die ATLANTIS ihre nahezu un\u00fcbertreffliche Seet\u00fcchtigkeit. Bereits beim Transport im Auto und erst recht sp\u00e4ter beim Auftakeln am Ufer f\u00e4llt die ATLANTIS angenehm durch ihre Standsicherheit im St\u00e4nder auf. Zum Einsetzen der Yacht ins Wasser ben\u00f6tigt man keine Anglerhose. Normal hohe Gummistiefel reichen bei dem geringen Tiefgang des Langkielers aus. Das Schiff kommt deshalb mit seichten Uferstellen und Untiefen entsprechend gut zurecht. Mit ihrem flachen Vorsteven gleitet die ATLANTIS anstandslos \u00fcber Wasserpflanzen hinweg, an denen sich die langen, steilen Kielflossen moderner Rennziegen, sehr zum Leidwesen ihrer Skipper, gerne verheddern. Mit der ATLANTIS kann man sich gewagte RC-T\u00f6rns erlauben, die man mit anderen Baukastenmodellen aus guten Gr\u00fcnden lieber unterl\u00e4\u00dft. Mit keinem anderen Schiff meiner Segelflotte habe ich mich so weit auf das Wasser hinaus gewagt, wie mit der ATLANTIS. Gr\u00f6\u00dfe, Schnelligkeit, Zuverl\u00e4ssigkeit, Kursstabilit\u00e4t und Man\u00f6vriersicherheit machen die Ansteuerung einer weit drau\u00dfen liegenden Boje auch bei schwierigen Sicht-, Revier- und Windverh\u00e4ltnissen relativ sicher m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Die hohe Gebrauchstauglichkeit der ATLANTIS wird durch eine beachtliche Reparatur- und Wartungsfreundlichkeit erg\u00e4nzt.  Denn das Rumpfinnere bleibt durch drei gr\u00f6\u00dfere Luken  unter den Decksh\u00e4usern \u00fcberall gut zug\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Der Langkiel macht das Schiff schwer und damit unhandlich. Seine segeltheoretischen Nachteile werden allgemein gerne und oft kritisiert. Die Praxis lehrte mich jedoch, seine  Vorteile zu sch\u00e4tzen. Er kennt keine Dichtigkeits- oder Stabilit\u00e4tsprobleme, keine Bruchgefahren, keine Probleme mit Wasserpflanzen, Untiefen oder seichten Ufern. Und das Schiff steht, wie gesagt, immer und \u00fcberall sicher in seinem St\u00e4nder.<\/p>\n<p><strong>Transport und Aufriggen<\/strong><\/p>\n<p>Heben und Tragen der schwergewichtigen Dame bereiten allerdings weniger Freude. Etwas Kraft und Gesundheit sind f\u00fcr die Handhabung leider unentbehrlich. Ich bevorzuge, wenn es denn sein muss, den Transport des (abgetakelten) Schoners zum Wasser auf der Schulter und  halte zur Not einen entsprechend umgebauten Bollerwagen als Trailer in Reserve. Ohne Hilfsvorrichtung ist das Absenken des Schiffes von einem hohen Steg aus fast unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>(Ich habe mit Hilfe von zwei kleinen aber stabilen Ringschrauben mit Muttern (Stahl vernickelt M3-M4)  eine sehr bequeme und n\u00fctzliche Idee verwirklicht, die das Tragen und ins Wasser Setzen sogar Einhand erm\u00f6glicht! Die Schrauben werden ca. 2 cm vor dem Mittelaufbau und vor dem Steuerstand montiert. Dazu ist eine gro\u00dffl\u00e4chige und stabile Decksverst\u00e4rkung im entsprechenden Bereich unbedingt n\u00f6tig! Au\u00dferdem sitzen die Schrauben ca. 6-8 cm seitlich von der Mittellinie des Decks.  Jetzt h\u00e4nge ich den Tragegurt des Senders in den \u00d6sen ein und schon kann ich das Schiff wie eine, wenn auch schwere Einkaufstasche tragen. Die seitliche Montage der Schrauben bewirkt dabei, dass das Boot schr\u00e4g von mir wegkippt. Die Masten st\u00f6ren auf diese Weise nicht! Mit diesem Trick l\u00e4sst sich auch ein 20 kg Modell von hohen Bootsstegen bandscheibenschonend zu Wasser lassen! (Die &#8222;h\u00e4sslichen Schrauben&#8220; lassen sich mit &#8222;Decksger\u00f6del&#8220; wie Eimern oder Wasserf\u00e4ssern leicht verstecken. G.N.)<\/p>\n<p>Ob das schwere Schiff eventuell nur an den Masten herabgesenkt werden kann, habe ich lieber noch nicht ausprobiert. (W\u00fcrde ich nicht empfehlen! G.N.)<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Situation halte ich eine Art Slipanlage parat. Das Aufriggen geschieht dank des Robbe-Patentsystems schnell und komfortabel. Nach dem Aufstellen der Masten brauchen die Augen am Ende der Wanten blo\u00df in den P\u00fcttings eingepickt zu werden. Gespannt werden die Ober- und Unterwanten \u00fcber eine zentrale Stellschraube im jeweiligen Masttopp. Der Mastfall kann zu Trimmzwecken allerdings nur geringf\u00fcgig \u00fcber die H\u00f6henverstellung der P\u00fcttings variiert  werden. Da die zwei P\u00fcttingpaare pro Mast recht weit voneinander entfernt liegen, funktioniert das ohnehin nur, wenn die L\u00e4nge der Wanten beim Bau pingelig genau ausgemessen und abgel\u00e4ngt wurde. Das originale Gro\u00dfstag aus Edelstahllitze zwischen den Masten habe ich durch eine spannbare Leine ersetzt. Die Schoten werden mit Karabinerhaken eingeh\u00e4ngt, so dass die Grundeinstellung der Segel nicht bei jedem Aufriggen neu justiert werden muss. Vor dem Spannen der Wanten und Stage bleibt noch die Deutschlandfahne ins Masttopp des Gro\u00dfmastes einzusetzen, die ich, abweichend vom Bauplan, zum Verklicker umfunktioniert habe. Dann geht es ans Slippen. Hat man das &#8222;Dickschiff&#8220; ohne Hilfsvorrichtung schnaufend zu Wasser gewuchtet, best\u00e4tigt der geringe verbleibende Freibord das objektiv hohe Gewicht. Das niedrige Deck ist zwar gut f\u00fcr die Aerodynamik. Die Optik des sonst so imposanten Zweimasters leidet darunter jedoch etwas.<br \/>\n<!--nextpage--><br \/>\n<strong>Der erste Segeleindruck tr\u00fcgt<\/strong><br \/>\n\r\n<a href=\"http:\/\/www.minisail.com\/wp-content\/blogs.dir\/4\/files\/atlantis\/atlant1260_300.jpg\" title=\"\" class=\"highslide\" onclick=\"return hs.expand(this, { slideshowGroup: 'singlepic1371' })\" >\r\n\t<img decoding=\"async\" class=\"ngg-singlepic\" src=\"http:\/\/www.minisail.com\/wp-content\/blogs.dir\/4\/files\/cache\/1371__x_atlant1260_300.jpg\" alt=\"atlant1260_300\" title=\"atlant1260_300\" \/>\r\n<\/a>\r\n<\/p>\n<p>Dem Segler, der zum ersten Mal eine ATLANTIS steuert, fallen als erstes Beschaulichkeit und Beh\u00e4bigkeit auf, mit der das Schiff zu segeln ist. Ihre soliden, gutm\u00fctigen Segeleigenschaften machen sie selbst f\u00fcr Segelanf\u00e4nger geeignet. Wer dagegen Vergleichsm\u00f6glichkeiten mit anderen Seglern hat, wird vielleicht das Beschleunigungsverm\u00f6gen leichtgewichtiger Hochleistungssegler, die atemberaubenden Schussfahrten von Mehrr\u00fcmpfern oder die feinnervigen, rasanten Gleit- oder Surfzust\u00e4nde wie sie selbst bei einigen (wenigen) RC-Seglern vorkommen, vermissen. Derartig adrenalintreibenden Segelspa\u00df wird man mit der ATLANTIS nie erleben. Der ewige Verdr\u00e4nger beh\u00e4lt unter allen Umst\u00e4nden die Ruhe. Auf das Ruder reagiert er sicher und ohne Hektik.<\/p>\n<p>Er kr\u00e4ngt relativ m\u00e4\u00dfig und luvt erst wenn es deutlich zu viel wird. Wellen k\u00f6nnen ihn ebenso wenig aus der Ruhe bringen. Der scharfe, \u00fcberh\u00e4ngende Bug schneidet da einfach durch, was aber, schon wegen des niedrigen Freibords, zu einer nassen Angelegenheit wird. Stolze, auf die L\u00e4nge gut verteilte 17 kg Verdr\u00e4ngung und zwei relativ kurze Masten halten Ruder und Heck stets im bzw. \u00fcber Wasser, so dass die ATLANTIS nie wirklich aus dem Ruder l\u00e4uft und der Bug vor dem Wind frei von Unterschneidungstendenzen bleibt. Lateralplan und Rigg harmonieren hervorragend miteinander. Wenn der Trimm aus der Grundeinstellung heraus passt und der Wind halbwegs gleichm\u00e4\u00dfig einf\u00e4llt, bleibt die ATLANTIS stets brav auf Kurs. Eine ATLANTIS bleibt nie in der Wende stehen und kann auch unter h\u00e4rtesten Bedingungen zum Abfallen und zur R\u00fcckkehr zum RC-Skipper \u00fcberredet werden.<\/p>\n<p>Ist das unaufgeregte Segeln mit einer ATLANTIS daher langweilig? Sicherlich kann man sie wegen ihrer sicheren und unspektakul\u00e4ren Segeleigenschaften leicht untersch\u00e4tzen. Erst im Vergleich mit anderen Seglern, in der Herausforderung bei Wettk\u00e4mpfen oder bei Sturmfahrten, offenbart die ATLANTIS ihre tats\u00e4chlichen F\u00e4higkeiten.<br \/>\n\r\n<a href=\"http:\/\/www.minisail.com\/wp-content\/blogs.dir\/4\/files\/atlantis\/atlant1263-600.jpg\" title=\"Die Atlantis mit vollen Segeln\" class=\"highslide\" onclick=\"return hs.expand(this, { slideshowGroup: 'singlepic949' })\" >\r\n\t<img decoding=\"async\" class=\"ngg-singlepic\" src=\"http:\/\/www.minisail.com\/wp-content\/blogs.dir\/4\/files\/cache\/949__x_atlant1263-600.jpg\" alt=\"atlant1263-600.jpg\" title=\"atlant1263-600.jpg\" \/>\r\n<\/a>\r\n<br \/>\n<!--nextpage--><br \/>\n<strong>Trimm der ATLANTIS<\/strong><\/p>\n<p>Anfangs stellte sich mir die Frage, wie die Segel eines so ungew\u00f6hnlich getakelten Schoners in der Grundeinstellung optimal zueinander einzustellen sind? Der Hersteller empfiehlt, die Segel so einzustellen, dass sie beim Auffieren alle gleichzeitig anfangen zu killen. Das kann man am besten am Ufer im St\u00e4nder simulieren. Allgemein hei\u00dft es, dass dicht hintereinanderliegende Segel von vorne nach hinten stets zunehmend dichter geholt werden sollen. Damit m\u00f6chte man u.a. bewirken, dass das jeweils vordere Segel auf der Kreuz den Wind nicht in den \u201eR\u00fccken&#8220; des dahinterliegenden Segels leitet. Im Fall der ATLANTIS kommt diese Erw\u00e4gung m.E. nach nur f\u00fcr den (hinteren) Gro\u00dfmast in Betracht, der f\u00fcr sich betrachtet, wie eine Slup getakelt ist. Die ersten drei Segel werden sich vermutlich gegenseitig weniger behindern, weil die Segelschwerpunkte in der H\u00f6he \u00fcber Deck unterschiedlich verteilt liegen. Aerodynamisch gegenseitig st\u00f6ren k\u00f6nnen sich bei fehlender Spalteinstellung vermutlich nur Stagsegel und Gro\u00dfsegel. Also stelle ich das Stagsegel in der Grundeinstellung etwas weiter ge\u00f6ffnet ein als das Gro\u00dfsegel. Baumfock und Schonersegel erhalten bei mir dagegen die gleiche Grundeinstellung wie das Gro\u00dfsegel.<\/p>\n<p>Bei st\u00e4rkerem Wind konnte ich im Fahrbetrieb immer wieder beobachten, dass das lange Achterliek der Baumfock zur Unruhe tendiert, das Segel dadurch an Zugkraft verliert und das Schiff st\u00e4rker als n\u00f6tig luvt. Daher habe ich nur das Stagsegel mit einer Dirk ausger\u00fcstet und die anfangs an der Fock angebrachte Dirk sp\u00e4ter wieder entfernt. Umgekehrt w\u00e4re m.E. an der Baumfock sogar eine Art Baumniederhalter sinnvoll. Versuchsweise habe ich deswegen an der Fock mal eine spannbare Leine zwischen Decksbeschlag und Baumnock angebracht. Ein gro\u00dfer Erfolg war das nicht. Mehr Zug auf das Achterliek bek\u00e4me man nur, wenn der Halteb\u00fcgel des Baumes etwas mittiger montiert w\u00e4re, was ebenfalls seine gering ausgepr\u00e4gte Drehfreudigkeit beg\u00fcnstigen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Wie die anderen Segelyachten von Robbe verf\u00fcgt die ATLANTIS \u00fcber im Baum eingelassene Unterliekstrecker, die so unauff\u00e4llig wie praktisch sind. Bauchige Segelprofile bringen mehr Fahrt und empfehlen sich vor allem bei wenig Wind. Flach stelle ich die Segel nur, wenn ich mit aller Gewalt H\u00f6he kn\u00fcppeln muss. \u00dcber den Bauch kann auch geringf\u00fcgig der Segelschwerpunkt ver\u00e4ndert werden. Ein flacher Bauch wirkt der Leegierigkeit, ein tiefer Bauch der Luvgierigkeit entgegen. Probleme machte die Profileinstellung des Spreizgaffelsegels im Originalzustand. Die Leine, mit der das Profil eingestellt wird muss n\u00e4mlich gleichzeitig das Gewicht der Spreizgaffel tragen, was wiederum von der Zugkraft der Schot beeinflusst wird. Daher habe ich die Spreizgaffelnock nach oben und unten mit einer Dirk abgespannt und kann so unabh\u00e4ngig vom Gewicht der Spreizgaffel und der unterschiedlichen Zugkraft der Schot das Profil des Segels trimmen.<\/p>\n<p>Die originalen, einbahnigen Robbe Segel sind sehr hart, fallen am Mast schlecht ins Profil und stehen daher oft schlecht. Mancher Atlantiseigner hat mit gutem Erfolg neue Segel hergestellt und damit Verbesserungen bei Schwachwind erzielen k\u00f6nnen. So radikal war ich nicht. Ich habe stattdessen nur die Vorlieks mit einem scharf geschliffenen L\u00f6tkolben \u201egestrichelt&#8220;, in der Absicht, deren Starre zu verringern und die Vorlieks etwas biegbarer zu machen. Au\u00dferdem habe ich den Vorliekstrecker des Gro\u00dfsegels hinter dem L\u00fcmmellager durch eine Bohrung im Baum gezogen, in der Hoffnung, der Baum werde seine Drehung so besser auf das st\u00f6rrische Segel \u00fcbertragen. Aber viel gebracht hat das alles nicht. Bei aller Kritik muss man den Robbesegeln jedenfalls zugestehen, dass sie robust und langlebig sind, weswegen es sich lohnt, sie nach Anfertigung eines neuen Segelstells zumindest gut an die Seite zu legen (Segel flach aufh\u00e4ngen, notfalls einrollen).<\/p>\n<p>(Bitte NICHT gerollt lagern! G.N.)<\/p>\n<p>Wie immer ist es wichtig, dass die Vorlieks der beiden Stagsegel nicht auswehen, die Stage mithin gut unter Spannung stehen. Zug wirkt auf das Vorstag \u00fcber das mastenverbindende Gro\u00dfstag und endlich \u00fcber das Achterstag. Das Gro\u00dfstag habe ich durch eine spannbare Leine ersetzt. Mit der Spannung des Achterstags wird allerdings der Gro\u00dfmast wegen seiner 7\/8 Takelung krumm gezogen.<\/p>\n<p>(Auf den Wanten und Stagen des Modells braucht man nicht \u201eGitarre spielen&#8220; zu k\u00f6nnen! Sie sind ausreichend gespannt, wenn sie einen dumpfen Brummton erzeugen. Dann verbiegt sich kein Mast! G.N.)<\/p>\n<p>Das Gro\u00dfsegel wirft dann h\u00e4ssliche Falten. Zur Aussteifung des Gro\u00dfmastes habe ich daher ein zus\u00e4tzliches Jumpstag angebracht.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der Gewichtsverteilung hat Robbe die Unterbringung der Akkus in einer Seitentasche vorgesehen. Da lagern sie zwar trocken, aber etwas besser ist das Gewicht nat\u00fcrlich direkt \u00fcber dem Kielballast, z.B. in einem W\u00e4nnchen, untergebracht.<\/p>\n<p>Soll der Schoner platt vor dem Laken laufen, kommt es zu teilweisen Abschattungen der Segel untereinander. Eine Sluptakelung kann ihre Segelfl\u00e4che auf Schmetterlingskurs doch leichter und wirkungsvoller entfalten. Alle Segel der ATLANTIS \u00f6ffnen aus verschiedenen Gr\u00fcnden nicht gerne weit. Es f\u00e4llt schon schwer, mit der ATLANTIS einen sauberen Schmetterlingskurs auch nur einzuleiten. Schoner und Gro\u00dfsegel l\u00e4\u00dft man auf einer Seite und versucht dann durch weiteres Abfallen die beiden Stagsegel auf die andere Seite zu holen. Besonders gut gelingt mir das auch nicht. Die steifen Vorlieks leisten der Biegung des Segels an den Masten erheblichen Widerstand. Die Baumfock \u00f6ffnet noch unwilliger. Das liegt sowohl an der weit vorne liegenden, unbalancierten Aufh\u00e4ngung als auch am Wirbellager. Unter Zug kann es verkanten und schwerg\u00e4ngig drehen. Besser w\u00e4re eine verstellbare Baumaufh\u00e4ngung, wie sie etwa Graupner bei der &#8222;Rubin&#8220; verwendet, und eine simple Leine zum Decksbeschlag. Wer im Wettkampf bemerkt, dass vor dem Wind eine schnelle Leichtwind-Slup aufholt, kann versuchsweise die Taktik wechseln und raumschots kreuzen, wie das Katamarane machen.<\/p>\n<p><!--nextpage--><\/p>\n<p><strong>Die ATLANTIS im Sturm<\/strong><br \/>\nSturmfahrten werfen auch f\u00fcr RC-Segler eine Reihe von Problemen auf. Zwar sind Kielyachten mit Monorumpf in der Regel kentersicher. Jedoch k\u00f6nnen leichte Yachten mit geringem Volumen vor dem Wind mit dem Bug gef\u00e4hrlich tief in der Welle unterschneiden. Dabei hebt sich das Heck dramatisch in die H\u00f6he und es kann Wasser in den Rumpf eindringen und die Elektronik des Empf\u00e4ngers beeintr\u00e4chtigen. Von Bruch und der Gefahr des Sinkens ganz zu schweigen. Viele moderne Yachten sind im Sturm nur noch eingeschr\u00e4nkt man\u00f6vrierf\u00e4hig und bleiben beim Wenden &#8211; mangels Masse \u2013 einfach im Wind stehen. Zu viel Tuch am Mast bedeutet eine weitere Gefahr. Wenn es zu dicke kommt, kann man bisweilen nicht mehr abfallen und u.U. sogar nicht mal mehr wenden. Eine R\u00fcckkehr zur gew\u00fcnschten Uferstelle wird schwierig oder sogar unm\u00f6glich. Meine ATLANTIS zeigte sich all diesen Gefahren gewachsen &#8211; selbst wenn ihr Anblick bei Seegang mehr an ein auftauchendes U-Boot erinnert. Denn wegen des niedrigen Freibords kommen stets Unmengen Spritzwasser \u00fcber. Es ist ein ausgesprochen nasses Segeln. Selbst das auf dem Achterdeck verzurrte Dingi mutierte stets zur bordeigenen Badewanne, bis ich es schlie\u00dflich mit einem Spundloch versehen hatte und das Wasser wenigstens sofort wieder ablaufen konnte. Wegen der drei gro\u00dfen \u00d6ffnungen unter den Decksh\u00e4usern bleibt der Rumpf zwar erfreulich gut zug\u00e4nglich, die Luken ben\u00f6tigen aber, ganz wichtig bei solchem Wetter, eine sorgf\u00e4ltige Abdichtung. Wer dabei schludert, gibt seine ATLANTIS dem Untergang preis. Die ATLANTIS des Modellskippers hat 1995 so ihr tragisches Seemannsgrab gefunden, wie er auf seiner Internetseite berichtet. Anfangs hatte ich bei Sturmfahrten \u00f6fter Wasser im Rumpf. Dann habe ich die Kanten der Luken b\u00fcndig mit Gummistreifen beklebt, die ich aus einem alten Fahrradschlauch ausgeschnitten hatte, und die Deckel anschlie\u00dfend verschraubt. Das h\u00e4lt bislang gut dicht. Schwierigkeiten bereitete mir zun\u00e4chst auch das Holz, das an mehreren Stellen Wasser zog und h\u00e4ssliche Risse bildete. Irgendwelcher billiger Boots- oder Klarlack reicht zur Holzkonservierung nicht aus. Eine nachtr\u00e4gliche Behandlung mit G 4 bzw. G 8 brachte erfolgreiche Abhilfe. (Die Fa. Robbe bietet ausdr\u00fccklich ihr fl\u00fcssiges Holzwachs zur Impr\u00e4gnierung an! Meine SUSANNE wurde zeitgleich mit der ATLANTIS 1985 gebaut. Das Holz wurde nur gewachst und ist noch heute einwandfrei! G.N.)<\/p>\n<p>Bei Sturm hat das hohe Gewicht auch Vorteile. So ist mir der kiloreiche Schoner noch nie in der Wende stehen geblieben. Nat\u00fcrlich legt sich selbst eine ATLANTIS in schweren Sturmb\u00f6en mal m\u00e4chtig auf die Backe, l\u00e4uft aus dem Ruder und luvt unhaltbar. Sie macht das aber erst, wenn die meisten anderen RC-Segler schon eingepackt \u2013 oder vielmehr &#8211; gar nicht erst ausgepackt haben. Durch starkes Auffieren konnte ich das Schiff fast immer wieder zur\u00fcck auf Kurs zwingen.<br \/>\nWie bei gro\u00dfen Vorbildern sind Halsen unter Sturmbedingungen kritisch. Die federnd gespannte Umlaufschot funktionierte leider nicht narrensicher. Die ruckartig auftretenden Belastungen beim Schiften bringen die Umlaufschot zum Springen und gelegentlich springt sie aus ihren F\u00fchrungsrollen hinaus. Das vorschriftsm\u00e4\u00dfige Dichtholen der Schoten beim Schiften geschieht leider nicht immer schnell genug. Oft kann das Man\u00f6ver vom Ufer auch schlecht beobachtet und daher nicht vorschriftsm\u00e4\u00dfig durchgef\u00fchrt werden. Zur Verbesserung der Situation habe ich die Spannfeder an der Umlenkrolle der Umlaufschot verst\u00e4rkt, die Aufh\u00e4ngung der Rollen modifiziert und den Hub der Umlaufschot nach oben begrenzt. Au\u00dferdem meide ich jetzt bei starkem Wind lieber das Halsen. Seitdem gibt die Umlaufschot Ruhe.<br \/>\nDie Segellatten mu\u00dfte ich nach und nach nochmals mit Patex nachkleben. Der spr\u00f6de Sekundenkleber mag keine killenden Segel. Das Vern\u00e4hen beider Enden der Latten kann nicht schaden.<br \/>\nDas Problem des Modellschiffers schlechthin ist das Fehlen einer ferngesteuerten Mannschaft. Wo auf dem gro\u00dfen Vorbild die Crew schon lange mit Reffen oder Bergen besch\u00e4ftigt w\u00e4re, m\u00fcssen wir uns notfalls mit schlichtem Auffieren behelfen oder gleich am Ufer noch ein kleineres Stell aufziehen bzw. im Fall der ATLANTIS einen Teil der Segel bergen. Immerhin vertr\u00e4gt die ATLANTIS bereits unter vollem Zeug mehr Wind als die meisten anderen Modelle. Kachelt es noch st\u00e4rker, kann man relativ bequem ein oder zwei Segel bergen. Reffen w\u00fcrde einem das Segeltuch ver\u00fcbeln. In der ersten Stufe bietet sich das Schonersegel zum Bergen an. In der zweiten Stufe auch das Stagsegel bergen. Selber ausprobiert habe ich letztere Variante allerdings noch nicht. Bei jedem K\u00fcrzen der Segelfl\u00e4che ist zu ber\u00fccksichtigen, dass der Segelschwerpunkt m\u00f6glichst erhalten bleiben soll, bzw. zur Bek\u00e4mpfung der Luvgierigkeit nach meiner Meinung sogar weiter nach vorne wandern darf.<br \/>\n<!--nextpage--><br \/>\n<strong>Die Tr\u00e4gheit der Masse<\/strong><\/p>\n<p>Die einen stehen lieber in der Werkstatt, die anderen lieber am See. Am See segeln die meisten gerne in Gesellschaft anderer RC-Skipper, schauen was die anderen Segler k\u00f6nnen, bringen manchmal auch ein oder zwei Bojen aus und segeln zum Spa\u00df um die Wette. Dar\u00fcber hinaus werden sportliche Wettk\u00e4mpfe auch f\u00fcr vorbild\u00e4hnliche RC-Segler von verschiedenen Seiten angeboten, seien es segelvereinsinterne oder auch jedermann offene Veranstaltungen. Wenn solchen Veranstaltungen auch der sportliche Ernst fehlt, so bringt doch jeder etwas Ehrgeiz mit und freut sich \u00fcber eine gute Platzierung. Kurzum, wer nicht gerade einen historischen Arbeitssegler steuert und mit anderen RC-Skippern gemeinsam segelt, der m\u00f6chte nicht gerne st\u00e4ndig den anderen hinterherfahren. Was also kann die ATLANTIS im Vergleich zu anderen Seglern? Logisch, der Schoner ist keine RC-Rennyacht und kein Regattaschiff. Erschwerend kommt bei der ATLANTIS hinzu: Schwere Langkieler gelten unter Seglern, zumal unter Regattaseglern, als beh\u00e4bige Fahrtenschiffe (englisch jetzt Cruiser genannt). Die ATLANTIS vereint n\u00e4mlich so ziemlich alle Eigenschaften, denen Theoretiker nachsagen, sie kennzeichneten eine langsamere, technisch \u00fcberholte Konstruktion. Konkret meine ich die \u00dcberh\u00e4nge, den flachen Vorsteven, das schmale Heck, den Langkiel, den Mehrmaster und die Gaffeltakelung. Als Verdr\u00e4nger kann sie ihre Rumpfgeschwindigkeit nie \u00fcberwinden. Reinrassigen RC-Yachten, Leichtwindspezialisten, Mehrr\u00fcmpfern oder Gleitern ist sie, auch abh\u00e4ngig von den jeweiligen Wetterbedingungen, unterlegen. Jedoch kann sie im Praxisvergleich immerhin in der &#8222;Edelsteinklasse&#8220; (gemeint sind die schnellen Slups &#8222;Rubin&#8220; und &#8222;Smaragd&#8220;) bequem mitsegeln.<\/p>\n<p>Im Wettkampf hat derjenige ATLANTIS Skipper Vorteile, der sich der Eigenarten seines schweren Langkielers bewusst ist und danach segelt. Die angeborene Tr\u00e4gheit im Vergleich zu modernen Kurzkielern in Leichtbauweise oder ballastfreien Mehrrumpfbooten macht sich vielf\u00e4ltig bemerkbar. Die schwere ATLANTIS liegt immer relativ ruhig im Wasser. Durch Beschleunigung, sei es positive oder negative, f\u00e4llt sie kaum auf, weswegen sich die aktuelle Geschwindigkeit als zuverl\u00e4ssiger Indikator f\u00fcr die optimale Segelstellung schlecht eignet. Ein Verklicker erleichtert das Atlantissegeln allemal. Einerseits nimmt eine ATLANTIS also langsamer Fahrt auf, andererseits schiebt sie ohne merklich Geschwindigkeit zu verlieren durch kleinere Windl\u00f6cher einfach durch oder eben auch ganz tief mitten hinein! Aufpassen muss man auch bei Aufschie\u00dfern und Ausweichman\u00f6vern. W\u00e4hrend ein leichtes Mehrrumpfboot im Wind sofort stehen bleibt, l\u00e4uft die schwere Atlantis gegen den Wind unger\u00fchrt ein betr\u00e4chtliches Ende weiter und havariert, wenn der Skipper Pech hat, kr\u00e4ftig mit dem Steg. Auf das Ruder reagiert der Langkieler zwar folgsamer als man ihm das gemeinhin nachsagt, jedoch immer relativ bed\u00e4chtig. Ist die tr\u00e4ge Masse dagegen erst einmal am Drehen, bleibt es selbst bei Wind und Wellengang dabei. Nach der Wende dreht das schwere Schiff jedoch ungebeten weiter, so dass am Man\u00f6verende etwas Gegenruder eingelegt werden muss, will man beim Aufkreuzen keine H\u00f6he verschenken. Den optimalen Moment dazu zeigt einem wiederum am besten der Verklicker an.<br \/>\n\r\n<a href=\"http:\/\/www.minisail.com\/wp-content\/blogs.dir\/4\/files\/atlantis\/Atlant1259_600.jpg\" title=\"\" class=\"highslide\" onclick=\"return hs.expand(this, { slideshowGroup: 'singlepic947' })\" >\r\n\t<img decoding=\"async\" class=\"ngg-singlepic\" src=\"http:\/\/www.minisail.com\/wp-content\/blogs.dir\/4\/files\/cache\/947__x_Atlant1259_600.jpg\" alt=\"Atlant1259_600.jpg\" title=\"Atlant1259_600.jpg\" \/>\r\n<\/a>\r\n<\/p>\n<p><!--nextpage--><\/p>\n<p><strong>Modifikationen<\/strong>:<\/p>\n<p>An meiner ATLANTIS finden sich einige Abweichungen vom Bauplan.<\/p>\n<p><strong>1. in technischer Hinsicht<\/strong><\/p>\n<p>a) Umbau der Deutschlandfahne im Topp zum Verklicker<\/p>\n<p>b) Ein zus\u00e4tzliches, doppeltes Jumpstag nebst Verstrebungen am Gro\u00dfmast<\/p>\n<p>c) Eine st\u00e4rkere Spannfeder f\u00fcr die Umlaufschot und Anschlagsbegrenzungen unter Deck nach oben.<\/p>\n<p>d) Ein kleiner B\u00fcgel \u00fcber der Heckleuchte und tiefer gelegte L\u00fcfter auf dem Steuerstand verhindern, dass sich die Gro\u00dfschot dort verhakt.<\/p>\n<p>e) Der Baumniederhalter des Gro\u00dfsegels gefiel mir nicht und ist au\u00dferdem schon wegen seines Spiels funktionell wenig sinnvoll. Ich habe ihn durch eine optisch ansprechendere Talje ersetzt.<\/p>\n<p>f) Die Nock der Spreizgaffel ist nach oben und unten mit zwei spannbaren Leinen im Winkel zum Mast fixiert.<\/p>\n<p>g) Das Stagsegel bekam eine Dirk.<\/p>\n<p>h) Die Schoten werden mit Karabinerhaken eingeh\u00e4ngt, an der Gro\u00dfschot mit einem kleinen Block. Eine bew\u00e4hrte Grundeinstellung bleibt so unver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>i) Die beiden Masten sind durch eine spannbare Leine verbunden.<\/p>\n<p>j) Direkt hinter den Masten habe ich an den Vorlieks der Segel mit einem scharf geschliffenen L\u00f6tkolben eine Reihe d\u00fcnner Schlitze eingeschnitten. Au\u00dferdem habe ich den Vorliekstrecker hinter dem L\u00fcmmellager durch den Gro\u00dfbaum gef\u00fchrt. Viel gebracht hat beides leider nicht.<\/p>\n<p>k) Der Rumpf erhielt im Spiegelheck ein Spundloch. Das Spundloch dient auch der permanenten L\u00fcftung des Rumpfinneren im Winter. Im Betrieb verschlie\u00dft ein kleiner Gummipfropfen das Loch.<\/p>\n<p><strong>2. in optischer Hinsicht:<\/strong><\/p>\n<p>a) Den beiliegenden Kompass habe ich von oben auf- und durchbohrt. Dann besorgte ich mir Plastikperlen f\u00fcr Halsketten aus dem Bastelladen. Eine blaue Kugel schleifte ich soweit ab, bis dass der Rest b\u00fcndig auf die obere Fl\u00e4che des Kompass passte. Nun habe ich mit Permanentmarkern eine Kompassrose aufgemalt und die blaue Teilkugel mit durchsichtigem Kleber aufgeleimt. Wenn man will, kann man den Kompass von unten sogar nachtr\u00e4glicher mit originalgetreuer Nachtbeleuchtung versehen.<\/p>\n<p>b) Die Zug\u00e4nge zum Steuerstand bekamen bei mir Stufen und Handl\u00e4ufe. Das Steuerrad aus braunem Kunststoff habe ich gold-gelb bemalt, soweit Messing zu imitieren war. Dahinter steht eine Steuermannspuppe aus dem Robbe-Zubeh\u00f6r. Im Cockpit finden sich ferner einige nostalgische Instrumente aus \u00c4tzteilen. Die T\u00fcren bekamen oben L\u00fcfterlamellen aus Messing.<\/p>\n<p>Handl\u00e4ufe gibt es ferner auf dem mittleren Deckshaus.<\/p>\n<p>c) Der scharf geschnittene Bug der ATLANTIS bekam einen dicken, gekn\u00fcpften Bugfender spendiert. Der verleiht nicht nur eine seem\u00e4nnische Optik. Denn wenn eine ATLANTIS in voller Fahrt mit ihrem hohen Gewicht irgendwo draufrauscht&#8230;<\/p>\n<p><strong>Was man eventuell weiter \u00e4ndern k\u00f6nnte:<\/strong><\/p>\n<p>a) Zu \u00fcberlegen w\u00e4re, f\u00fcr Stagsegel und Gro\u00dfsegel einen separaten Trimmservo einzubauen. Sollte die ATLANTIS kr\u00e4ngungsbedingt zu stark luven, k\u00f6nnte sie durch separates Fieren dieser beiden achteren Segel leichter auf Kurs gehalten werden. Denn der Abstand zu den beiden vorderen Segeln ist gro\u00df genug, so dass die Segel sich aerodynamisch vermutlich nur wenig behindern und die vorderen Segel beim separaten Fieren mit dem Trimmservo ihre Zugkraft behalten. Konstruktiv w\u00e4re das f\u00fcr die zwei Segel recht aufw\u00e4ndig. Wesentlich einfacher w\u00e4re es dagegen, nur das Gro\u00dfsegel mit einem eigenen Servo (und Computersender mit Mischer und Schieber) oder einem zus\u00e4tzlichen Trimmservo (zus\u00e4tzlicher Schieber ausreichend) auszur\u00fcsten.<\/p>\n<p>b) Die Originalsegel wurden bereits kritisiert. Einige Leute setzen d\u00fcnne R\u00f6hrchen in die Keep, woran das Vorliek mit Klebestreifen aus dem Flugzeugmodellbau befestigt wird. Andere Modellbauer haben aus weicherem Material komplett neue Segel hergestellt. Optimal w\u00e4re zweifelsohne die Neuherstellung von Profilsegeln aus Bahnen durch einen Profi. Dabei w\u00fcrde ich das Oberliek des Spreizgaffelsegels zur Optimierung der Aerodynamik mit Hilfe von Segellatten etwas runden.<\/p>\n<p>c) Mit allerdings erheblichem Aufwand k\u00f6nnte man die Masten drehbar lagern, so dass deren Profile endlich einmal aerodynamisch nutzbar w\u00fcrden. Dabei w\u00e4ren die Salingstreben abweichend von den Originalpl\u00e4nen mit einem einfachen Lager drehbar vor dem Mast anzubringen. Auch die zentrale Spannvorrichtung m\u00fcsste, vor dem Mast, drehbar gelagert werden. Soweit man wegen dieser Umbauten auf Fertigprodukte zur\u00fcckgreifen kann und m\u00f6chte, sind diese leider s\u00fcndhaft teuer.<\/p>\n<p>d) Das Akkugewicht liegt optimal tief, wenn man es in einem Kunststoffk\u00e4stchen direkt \u00fcber dem Ballast in der Versiegelung unterbringt. Die Befestigung des Akkus erfolgt wie \u00fcblich mit Klettband.<\/p>\n<p>e) Die Baumfock ist auf Deck \u00fcber einem Wirbel und das Messingrohr aus dem Anglerzubeh\u00f6r angeschlagen. Das Messingrohr ist auf der Baumfock nicht verstellbar. Die Umstellung auf einen verstellbaren Beschlag und eine F\u00fchrungsschiene auf Deck w\u00e4re w\u00fcnschenswert.<\/p>\n<p>f) Das Deck k\u00f6nnte man mit Stabdeck, einzelnen Planken nebst Fischung und Kalfaterungsimitat sch\u00f6ner gestalten.<\/p>\n<p>g) Um die Verfl\u00fcchtigung der Weichmacher aus dem ABS-Kunststoffmaterial zu verringern, schw\u00f6ren manche Modellbauer auf die vollst\u00e4ndige Lackierung des Rumpfes, also auch von innen.<\/p>\n<p><strong>Klassentreffen<\/strong><\/p>\n<p>Die ATLANTIS ist bis jetzt der beliebteste ferngesteuerte Schoner. Vielleicht finden sich einmal gen\u00fcgend Interessenten, um j\u00e4hrlich ein lockeres ATLANTIS-Klassentreffen zu veranstalten. Im Hauptprogramm darf ein l\u00e4ngerer Segelt\u00f6rn auf einem anspruchsvolleren Gew\u00e4sser stehen. Bei entsprechend gro\u00dfer Nachfrage und Organisationsm\u00f6glichkeit k\u00f6nnte man vielleicht auch Wettk\u00e4mpfe aussegeln und die ATLANTIS mit der sch\u00f6nsten und detailreichsten Scale-Optik w\u00e4hlen.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr die Informationen zur Entstehung der ATLANTIS darf ich mich herzlich bei Gerd Neumann bedanken.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Allen einen sch\u00f6nen Schoner w\u00fcnscht<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ralph Sutthoff<\/strong><br \/>\n\r\n<a href=\"http:\/\/www.minisail.com\/wp-content\/blogs.dir\/4\/files\/atlantis\/atlant1263-a600.jpg\" title=\"Die Atlantis mit Sonne in den Segeln\" class=\"highslide\" onclick=\"return hs.expand(this, { slideshowGroup: 'singlepic950' })\" >\r\n\t<img decoding=\"async\" class=\"ngg-singlepic\" src=\"http:\/\/www.minisail.com\/wp-content\/blogs.dir\/4\/files\/cache\/950__x_atlant1263-a600.jpg\" alt=\"atlant1263-a600.jpg\" title=\"atlant1263-a600.jpg\" \/>\r\n<\/a>\r\n<\/p>\n<p>(Die kursiven, in Klammer gesetzten Bemerkungen sind von Gerd Neumann.)<\/p>\n<p><strong> techn. Daten:<\/strong><br \/>\nL\u00e4nge \u00fc. a.: 1380mm (54.3 in.)<br \/>\nBreite: 340mm (13.4 in.)<br \/>\nTiefgang: etwa 240 mm (9.4in.)<br \/>\nH\u00f6he \u00fc.a.: 1730mm (68 in.)<br \/>\nH\u00f6he Gro\u00dfmast: 1420mm (56 in.)<br \/>\nStandard Segelfl\u00e4che: 85.5 dm2 (1,325 sq. in.)<br \/>\nSegelfl\u00e4che mit Genua: etwa 114 dm2 (1,767 sq. in.)<br \/>\nVerdr\u00e4ngung: etwa 17.5 kg (38.5 lbs.)<br \/>\nKielballast: etwa 11 kg (22.4 lbs.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Bericht aus der RC-Segelpraxis von Ralph Sutthoff Ein Schoner mit ungew\u00f6hnlichem Rigg Zum besseren Verst\u00e4ndnis die Maritimen und Segler-Fachausdr\u00fccke beachten! Im folgenden Bericht geht es um die Segelpraxis mit dem ferngesteuerten Segelschiff ATLANTIS. 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